Gutachten
Eine einfache Darstellung und Erklärung
an das Gesundheitsamt Goslar für Dr. Hennighausen und Dr. Hepp über
Selbstheilung in Tiefenentspannung zugestellt
am 9.Januar 2004
(Dr. Hamido hat einige Synergetik-Sessions vor einigen Jahren bei mir gemacht
und dieses synergetische Prinzip (Selbstorganisation durch inneres Handeln)
auf ihre Arbeit übertragen und daraufhin diesen Artikel als Gutachten entworfen).
Dr. Ma Deva Hamido (Mathematikerin/Kompetenz in der Chaostheorie):
INSTITUT FÜR BEWUSSTE LEBENSFÜHRUNG
I. Wie entsteht unser unbewusstes Funktionieren?
A. Was ist unbewusstes Funktionieren?
B. Beispiele für unbewusstes Funktionieren
1. Beispiel: Zwanghafte Pünktlichkeit
2. Beispiel: „Ich kann nicht“
3. Beispiel: Workoholiker
II. Zusammenhänge
A. Verurteilungen
B. Wahrnehmungsebenen
1. Drogen
2. Hypnosen
3. Tiefenentspannung
4. Atemarbeit (Hyperventilation)
5. Träume
6. Luzide Träume
C. Prinzip der Selbstheilung in Tiefenentspannung
1. Gehirnwellen
2. Psychosomatisches Netzwerk
3. Die Opfer-Täter-Falle
D. Prinzipien der Chaostheorie
III. Beispiele für Selbstheilung
A. Gelenkschmerzen
B. Ärger mit dem Nachbarn
C. Unsicherheit
IV. Nachgedanken
I. Wie entsteht unser unbewusstes Funktionieren?
Bewusst wollen wir alle glücklich und gesund sein. In der Regel tun wir
auch eine Menge, um dieses Ziel zu erreichen, aber oft vergeblich. Unbewusst
sabotieren wir unser bewusstes Bemühen. Wieso?
A. Was ist unbewusstes Funktionieren?
Unser unbewusstes Funktionieren umfasst
- unser aktives Handeln,
- unsere Gefühle,
- unser Denken und
- unsere Körperfunktionen.
Paul fährt mit dem Auto zur Arbeit und wundert sich plötzlich, dass
er schon fast da ist, während er die ganze Zeit in Gedanken ganz wo anders
war. Unbewusst hat er auf die anderen Verkehrsteilnehmer und die Ampeln geachtet
und den richtigen Weg gefunden.
Oder: Jedes mal, wenn Helga eine bestimmte Werbung sieht, wird sie wütend
darüber, wie man nur so eine blöde Werbung machen kann.
Oder: Anja hat Streit mit einem Freund gehabt, und dann gelingt es ihr nicht
mehr, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren, weil sie immer wieder an diesen
Streit denken muss.
Oder: Jedes mal, wenn jemand in einer bestimmten Lautstärke spricht, fühlt,
Rolf, wie sein Körper in sich zusammenfällt und ganz schlaff wird.
Unbewusstes funktionieren kann auf zweierlei Weise entstanden sein: entweder
es ist angeboren oder es ist erlernt. Die obigen Beispiele zeigen erlerntes
Funktionieren. Angeboren sind uns all die normalen Funktionen unseres Körpers,
unser Atem, der Blutkreislauf, die Verdauung. Wir können sie jedoch nur
bedingt beeinflussen, aber es ist nicht möglich. Wir wissen: Wer im autogenen
Training lernt, sich zu suggerieren, dass seine Hände ganz warm werden,
dessen Hände werden messbar wärmer.
Aber auch so etwas wie das Erschrecken beim Anblick von Schlangen, ist keine
angelernte Reaktion, sondern angeboren. Auch Menschen, die nie in ihrem Leben
eine Schlange gesehen haben, reagieren so. Diese Reaktion war für das Überleben
der Menschheit so hilfreich, dass sie in unser System fest eingebaut wurde.
Wir können davon ausgehen, dass unser unbewusstes Funktionieren normalerweise
die Folge von jahrtausendelangen Lernerfahrungen unserer Vorfahren ist und zur
Erhaltung unserer Gesundheit und unseres Wohlbefinden beiträgt. Wenn das
nicht so wäre, hätte die Menschheit bis heute gar nicht überleben
können. Wir dürfen also annehmen, dass die Grundausstattung unserer
Funktionen fast durchweg für unser Überleben in unserer Umwelt erfolgreich
sorgt. Auf diese Art des Funktionierens werde ich im Weiteren nicht eingehen.
Hier soll es dagegen um den Teil unseres unbewussten Funktionierens gehen, den
wir erlernt haben.
B. Beispiele für unbewusstes Funktionieren
An drei Beispielen soll verdeutlicht werden, wie wir unbewusstes Funktionieren
lernen. Es ist dabei immer nur eine Möglichkeit von vielen. Ein Rückschluss:
Wenn jemand so funktioniert, dann muss er diese Erfahrungen gemacht haben, ist
nicht möglich. Wie die Realität wirklich aussieht, können wir
nur im Einzelfall ergründen, und oft sind die Zusammenhänge auch sehr
viel komplexer, als in den hier dargestellten Fällen.
1. Beispiel: Zwanghafte Pünktlichkeit
Der kleine Peter – der kleine Bruder einer meiner Kundinnen – kommt
nicht pünktlich zum Mittagessen. Dafür wird er von seinem frustrierten
neurotischen Vater verprügelt. Dies ist eine sehr schmerzliche Erfahrung
für Peter, die er natürlich nicht wieder machen möchte. Er bekommt
Angst, beim Mittagessen zu spät zu kommen.
Angst ist freilich ein genauso unangenehmes Gefühl wie Schmerz, Peter versucht
also seine Angst zu reduzieren. Wie ist das möglich? Als am nächsten
Tag die Mittagszeit naht, läuft er alle 10 Minuten in die Küche, um
die Mutter zu fragen, ob es schon Zeit ist zum Mittagessen. So gelingt es ihm,
pünktlich zu sein, und er wird nicht geschlagen. Er ist erleichtert. Er
weiß jetzt, wie er es vermeiden kann, geschlagen zu werden. Pünktlich
sein ist das richtige Verhalten. Unpünktlich sein ist falsch. So entsteht
in ihm der Wunsch, immer pünktlich zum Essen zu kommen und nie mehr geschlagen
zu werden. Wie ist das möglich? Er muss sicherstellen, dass sein Verhalten
nicht mehr durch seine persönlichen Bedürfnisse, z.B. zu spielen,
beeinflusst wird, sondern nur noch durch die Uhr. Peter beschließt, dass
die Rückkehr an den Mittagtisch automatisch erfolgen soll. Aus einem „Du
musst pünktlich sein!“ seines Vaters wird ein „Ich muss pünktlich
sein!“ Nur so kann er einigermaßen sicher sein, dass auch im schönsten
Spiel in seinem inneren ein Wächter sitzt, der ihn rechtzeitig nach Hause
schickt. Solange da nur ein „Du musst“ besteht, gibt es noch die
Freiheit der Wahl: Wenn das Spiel besonders schön ist, kann er sich noch
entscheiden, zu spät zu kommen. Zu jeder Forderung, die von außen
an uns gerichtet wird, können wir ja oder nein sagen. Wir bleiben frei:
will ich oder will ich nicht? Wir haben die Wahl, uns für das Risiko des
Neins zu entscheiden. Durch die aktive Umgestaltung zu einem „Ich muss“
verzichten wir auf diese Freiheit. Aus einem bewussten „Heute will ich
pünktlich zum Mittagessen kommen, damit mein Vater mich nicht schlägt“,
über das jeden Tag neu entschieden werden kann, wird ein unbewusstes: „Ich
muss pünktlich zum Mittagessen kommen“, ein automatisches Programm:
Pünktlich sein beim Mittagessen und das stolze Selbstbild: Ich bin ein
pünktlicher Mensch. Und damit immer verbunden der Ärger über
Menschen, die unpünktlich sind.
Jede Freiheit, auf die wir verzichten, löst Ärger bei uns aus, wenn
der andere sie benutzt.
Solche unbewussten Programme haben eine Tendenz, sich zu verallgemeinern:
vom Mittagessen zu allen Mahlzeiten
von den Mahlzeiten zu allen Verabredungen mit anderen Menschen
vom Vater zu allen Autoritätspersonen.
Manchmal kann dies auch zu einem unbewussten Protestverhalten führen: Der
vollkommene Pünktlichkeit gegenüber Autorität, z. B. am Arbeitsplatz,
steht die absolute Unpünktlichkeit, z. B. bei privaten Verabredungen.
Das unbewusste Programm, immer pünktlich sein zu müssen, kann aber
auch als frustrierend erlebt werden, dass jemand grundsätzlich unbewusst
immer unpünktlich kommt, d. h., das Programm mit einem umgekehrten Vorzeichen
absolviert.
2. Beispiel: „Ich kann nicht“
Sonja hat einen autoritären Vater. Ihr Vater hat ganz genaue Vorstellungen,
wie seine Tochter zu sein hat, er lässt ihr keine Freiheit für eigene
Entscheidungen. Sonja empfindet das natürlich als sehr unangenehm, schließ
sieht sie, dass es bei anderen Kindern ganz anders läuft. Aber davon will
ihr Vater nichts wissen. Sonja verurteilt ihren Vater für diese Sturheit:
„Man muss einem Kind Freiheit lassen. So will ich nie werden.“ Dies
ist eine Verurteilung des Vaters. Sie macht ihr ihre eigene Situation etwas
erträglicher. Er mag zwar die Macht haben, sie zu zwingen, aber innerlich
steht sie über ihm: Sie ist besser als er oder auch: Sie ist richtig, er
ist falsch.
Sie entwickelt einen absoluten Maßstab. Ein Mensch ist nur gut, wenn er
seinen Kindern Freiheit lässt. Sie wird ihre Kinder jedenfalls einmal ganz
frei aufwachsen lassen.
Und dann eines Tages hat sie eigene Kinder. Und diesen lässt sie jede Freiheit.
Und es kommt, was nicht ausbleiben kann: Die Kinder tanzen ihr auf der Nase
herum. Ihr Mann meint immer wieder, sie müsse mehr durchgreifen, aber sie
sagt: „Ich kann nicht“. Sie kann höchstens drohen: „Wartet
nur, bis Papa nach Hause kommt!“ Nur, wenn es einmal ganz schlimm kommt,
kann sie explodieren. Ständig nimmt sie Rücksicht auf die Bedürfnisse
ihrer Kinder und lässt sich von diesen kommandieren. Bis sie dann eines
Tages zusammenbricht. Nun zwingen die Umstände die Kinder, Rücksicht
zu nehmen und sich um ihre Mutter zu kümmern. Aber direkt kann sie es von
ihnen nicht fordern. Sonst wäre sie ja wie ihr Vater, dann müsste
sie sich ja selbst verurteilen. Und das will sie natürlich auf keinen Fall.
Erst, wenn sie sich mit ihrem Vater, bzw. dessen Verhalten versöhnt hat,
wird sie ihre Handlungsfähigkeit gegenüber ihren Kindern zurück
erlangen, aus dem „ich kann nicht“ ausbrechen.
3. Beispiel: Workoholiker
Pauls Vater ist Trinker. Er bringt nichts Rechtes zustande, ständig wird
er aufgrund seines Alkoholismus arbeitslos. Die Familie lebt am Existenzminimum.
Und seine Frau ist frustriert. So hat sie sich die Ehe nicht vorgestellt. Sie
verachtet ihren Mann.
Paul fühlt sich natürlich auch nicht wohl bei einem solchen Vater.
Er wäre gerne wie andere Kinder stolz auf seinen Vater, aber das ist nicht
möglich. Er merkt, dass andere Kinder sich über seinen Vater und ihn
lächerlich machen. Das ist unerträglich. Er solidarisiert sich mit
seiner Mutter und verachtet ebenfalls seinen Vater. So schafft er eine Distanz
zu ihm. Er ist zumindest besser als sein Vater.
Und er erlangt dadurch eine neue Überzeugung: „Nur wer tüchtig
ist, wird geachtet.“ Natürlich möchte er geachtet werden. Er
muss also selbst tüchtig sein, um nicht auch eines Tages verachtet zu werden.
Er könnte natürlich auch sich selbst gar nicht achten, wenn er nicht
tüchtig wäre. Die Angst, nicht tüchtig zu sein und so verachtet
zu werden wie sein Vater, sitzt ihm im Nacken. Um diese Angst abzuwehren, hat
er unbewusste Überlebensprogramme entwickelt: „Ich muss jede Arbeit
sofort machen. Ich darf nichts liegen lassen.“ Woher er diese Programme
hat, hat er inzwischen selbst längst vergessen. Wenn eine Arbeit liegen
bleibt, löst das bei ihm ein solches Unbehagen aus, dass er alles tut,
um diesen Zustand zu verhindern, d. h. er arbeitet z. B. trotz Erschöpfung
weiter.
Sobald Paul ein Bedürfnis nach Entspannung spürt, kommt bei ihm unbewusst
die Angst hoch, er könnte so untüchtig sein wie sein Vater und genauso
verachtet werden. Also arbeitet er und arbeitet er. So lange, bis er zusammenbricht
und zum Frührentner wird. Und dann genauso untüchtig ist, wie es sein
Vater war. Das, was er verhindern wollte, hat er so unbewusst herauf beschworen.
II. Zusammenhänge
A. Verurteilungen
Die Beispiele zeigen, dass in allen diesen Fällen unbewusstes Funktionieren
nur zustande kommt,
1. wenn wir eine ganz bestimmten schmerzlichen oder unangenehmen Erfahrung in
unserem Leben gemacht haben,
2. wenn wir Angst hatten, diese Erfahrung in der Zukunft wieder zu machen, und
3. wenn wir diejenigen, der diese Erfahrung verursachte, dafür verurteilen.
Mit meinen Verurteilungen mache ich meine schmerzlichen oder unangenehmen Erfahrungen
zwar erträglicher, ich löse sie jedoch nicht auf, sondern verschiebe
sie in die Zukunft: In der Form von Ärger oder indem ich durch mein unbewusstes
Verhaltensmuster bei mir oder anderen genau die gleichen schmerzlichen Erfahrungen
wieder erzeugen.
Ich kann aus meinen unbewussten Programmen aussteigen, wenn ich die Verurteilungen,
durch die diese Programme genährt werden, überwinde. Immer wenn ich
eine schmerzliche oder unangenehme Erfahrung mache oder wenn ich gerade Ärger
spüre, kann ich aus meiner Verurteilung aussteigen. In diesem Augenblick
ist es möglich, die eigene verurteilende Haltung zu ändern:
1. Jedes mal, wenn Peter sich darüber ärgert, dass jemand zu spät
kommt, kann Peter aus seinem Stolz, ein pünktlicher Mensch zu sein und
aus seiner Verachtung für unpünktliche Menschen aussteigen.
2. Jedes mal, wenn Sonja sich über einen autoritären Menschen ärgert,
kann sie aus der Verurteilung ihres autoritären Vaters aussteigen.
3. Jedes mal, wenn Paul sich über die unangenehmen Folgen ärgert,
die die Unfähigkeit anderer Menschen für ihn hat, kann er der Verachtung
seines Alkoholiker-Vaters aussteigen.
Wenn ich bereit bin, die Schmerzen anzunehmen, die diese Situation mir während
meiner Kindheit bereitet haben, fange ich an, mich mit ihnen zu versöhnen.
Wissen über die Ursprünge meines unbewusstes Verhaltens alleine bewirkt
nichts. Ich kann durch die Angst vor dem Schmerz nur dann gehen, wenn ich sie
spüre.
Der Weg in die Bewusstheit führt darum immer an der Angst entlang. Er braucht
Zeit. Der erste Schritt ist immer, dass ich erkenne, wie unbewusst ich normalerweise
bin. Dass ich erkenne, wie ich mit meiner Unbewusstheit die Verantwortung für
mein Leben abgegeben habe. Wenn eine schlagende Mutter, ein missbrauchender
Vater oder ein neidisches Geschwister mir Schmerzen zugefügt haben, dann
war das sehr unangenehm für mich und ich bekam Angst vor diesem Schmerz.
Es ist sehr verständlich, dass ich die Schmerzen durch Verurteilung zu
lindern und die Angst durch automatisches Funktionieren zu bannen versuchte.
Ich brauche mir dafür keinen Vorwurf zu machen. Aber ein automatisches
Funktionieren entsteht immer nur durch meine eigene Entscheidung, mein Akt der
Verurteilung. Niemand kann ein Verhaltensprogramm in mir erzeugen außer
mir selbst. Und darum kann auch nur ich es wieder löschen, in dem ich meine
verurteilende Haltung wieder aufgebe.
Keiner kann meine Haltung ändern außer mir.
B. Wahrnehmungsebenen
Im Zentrum steht unser Hier-und-Jetzt-Bewußtsein. Darum herum gliedert
sich unsere Wahrnehmung in verschiedene Bereiche.
Ein Teil unserer Wahrnehmung ist bewusst, ein Teil unbewusst. Der unbewusste
Teil ist dabei wesentlich größer als der bewusste Teil. Man könnte
von einem Eisberg spreche, bei dem auch nur ein kleiner Teil aus dem Wasser
ragt und der weitaus größte Teil unsichtbar ist.
bewusst - unbewusst
Außenwelt
Sinneswahrnehmungen
äußeres Handeln, Körper
Hier-und-Jetzt-Bewußtsein
Innenwelt
Vorstellungen / Erinnerungen
inneres Handeln
Dann können wir unsere Wahrnehmung in unsere Innenwelt und in unserer Außenwelt
einteilen. Zur Außenwelt gehören unsere Sinneswahrnehmungen, unser
bewusstes Handeln, unsere Körperwahrnehmung.
Zur Innenwelt gehören unsere Vorstellungen, unsere Erinnerungen, unser
inneres Handeln in unseren Vorstellungen.
Von allen Wahrnehmungen aus unserer Innen- und unserer Außenwelt und der
Kommunikation innerhalb unseres Körpers dringt nur ein Bruchteil in unser
Bewusstsein ein. Der Rest geht jedoch keineswegs verloren, sondern er bleibt
nur unbewusst. Das benutzte man z. B. in der Werbung. Dort wurde versucht, Informationen
bewusst so zu gestalten, dass sie uns nur unbewusst zum Kauf eines Produktes
bewegen sollten. Bewusst schaute ich mir eine schöne Landschaft an, unbewusst
wurde mir das Bild eines bestimmten Getränkes gezeigt. Bei dem angenehmen
Gefühl im Augenblick der Erinnerung an das Landschaftsbild kommt dann das
Verlangen auf, dieses Getränk einmal zu trinken. Doch diese Art von Werbung
wurde inzwischen verboten.
Schon immer haben die Menschen versucht, Informationen von ihrem Unbewussten
zu erlangen.
1. Drogen
Drogen werden seit Urzeiten erfolgreich eingesetzt, um das Bewusstsein zu erweitern.
Sie ermöglichen wunderschöne Erfahrungen. Aber außer der Gefahr,
durch Drogen süchtig zu werden, haben sie den Nachteil, dass das Hier-und-Jetzt-Bewußtsein
ausgeschaltet wird. Bewusstseinserweiterungen durch Drogen sind daher sehr teuer
erkauft. Außerdem können sie zu einer Destabilisierung der Persönlichkeit
führen.
2. Hypnose
In der Hypnose stellt der Hypnotiseur in einem Zustand der Entspannung bei seinen
Klienten einen Kontakt zum Unbewussten her. Das Bewusstsein wird „auf
Urlaub“ geschickt, mit anderen Wahrnehmungsbereichen beschäftigt
gehalten, damit es die Arbeit des Hypnotiseurs mit dem Unbewussten nicht stört.
Hypnose wird z. B. erfolgreich in Nichtraucherprogrammen eingesetzt. Hypnose
kann sehr hilfreich sein.
Am Ende der Hypnose kann der Hypnotiseur dafür sorgen, dass das Bewusstsein
über alles Bescheid erhält, was in der Hypnose passierte, das muss
aber nicht so sein. Auf der Bühne wurde Hypnose häufig eingesetzt,
um Menschen lächerlich zu machen. Dies hat zu ihrem schlechten Ruf beigetragen.
Es ist daher sehr wichtig, dass man sich nur von einer Person hypnotisieren
lässt, zu der man volles Vertrauen hat.
3. Tiefenentspannung
Die Arbeit in der Tiefenentspannung funktioniert genau umgekehrt wie die Hypnose:
Es wird zwar auch über den Entspannungszustand der Zugang zum Unbewussten
hergestellt, aber das Hier-und-Jetzt-Bewußtsein behält die Kontrolle
über den gesamten Prozess. Das Unterbewusste wird nicht von einer dritten
Person verändert, sondern vom eigenen Bewusstsein her.
4. Atemarbeit (Hyperventilation)
Genau wie in der Entspannung, bleibt bei der Hyperventilation das Hier-und-Jetzt-Bewußtsein
unangetastet, wird das Unbewusste nicht durch eine andere Person, sondern durch
das eigene Bewusstsein beeinflusst. Die Informationen über das Unbewusste
kommen aber häufiger durch den Körper zum Ausdruck. Insbesondere Personen,
die nur schwer Zugang zur Tiefenentspannung finden, weil sie sich schlecht entspannen
können oder weil sie sehr rational sind, können auf diese Art mit
ihrem Unbewussten in Kontakt kommen und heilsam auf es einwirken.
5. Träume
Manche Menschen glauben, sie würden nicht träumen, aber das ist ein
Irrtum. Wir träumen alle, nur erinnert sich der eine besser an Träume
als der andere. Je mehr wir uns mit unseren Träumen beschäftigen,
desto mehr erinnern wir uns auch daran. In den Träumen begegnen wir ebenfalls
Inhalten aus unserem Unbewussten. Das Hier-und-Jetzt-Bewußtsein ist allerdings
völlig ausgeschaltet. Wenn wir träumen, dass uns ein Löwe verfolgt,
dann wissen wir nicht, dass dies nur in unserer Vorstellung geschieht, sondern
denken, es wäre Teil unserer Außenwelt.
6. Luzide Träume
Anders ist dies in luziden Träumen. Luzide Träume sind dadurch gekennzeichnet,
dass wir voll bewusst sind, dass wir träumen. Wir schlafen, aber wir wissen,
dass wir in unserem Bett liegen und träumen. Dann können wir von unserem
Bewusstsein her die Träume verändern. Nur wenige Menschen verstehen,
luzide zu träumen. Früher glaubte man, dass solche Menschen sich das
nur einbilden, heute ist aber bewiesen, dass es diesen Zustand tatsächlich
gibt. Das hat man in Schlaflabors herausgefunden. Luzide Träumer führten
während des Träumens vorher vereinbarte Augenbewegungen durch, denn
im Gegenteil zu der allgemeinen Muskulatur sind die Augenmuskeln im Schlaf nicht
ausgeschaltet. Damit bewiesen sie, dass sie sich voll bewusst waren, dass sie
gerade ein Experiment im Schlaflabor durchführen.
C. Prinzip der Selbstheilung in Tiefenentspannung
In einer Tiefenentspannungssitzung ist das Bewusstsein mit einem Teil des Unterbewusstseins
verbunden. Ich kann einfach ohne Ziel in eine Sitzung gehen und mich überraschen
lassen, was mein Unterbewusstsein mir wohl schenken wird. Ich kann aber auch
eine Bitte an das Unterbewusstsein richten, mir Informationen zur Verfügung
zu stellen, die mir bei einem konkreten Problem helfen können, z. B. beim
Umgang mit einer unangenehmen Person, bei einer Blockade angesichts einer bestimmten
Situation, bei der Suche nach mehr Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl
oder beim Wunsch nach der Heilung einer Krankheit. Und ich kann dem Unterbewussten
auch mitteilen, wie hart die Brocken sein dürfen. Wer darum bittet, nur
mit einem bisschen Angst konfrontiert zu werden, wird auch nur entsprechend
sanfte Bilder erhalten, kleine Herausforderungen. Ganz langsam kann er sich
vortasten, genau in dem Tempo, das für ihn stimmt.
Wer dagegen bereit ist, ans „Eingemachte“ zu gehen, bei dem kann
z. B. die Erinnerung an eine vergessene, sehr schmerzliche Erfahrung hochkommen.
Er kann in einer einzigen Sitzung einen großen Sprung vorwärts machen
und auf einen Schlag eine große Erleichterung und Befreiung erfahren.
In der Tiefenentspannung gibt das Unterbewusstsein immer nur so viele Informationen
preis, wie die Person bereit und in der Lage ist, zu verarbeiten. Niemand braucht
zu fürchten, gegen seinen Willen von unangenehmen Erinnerungen überwältigt
zu werden. Es kann aber sehr gut sein, dass das Unterbewusstsein sich weigert,
konkrete Informationen zur Verfügung zu stellen. Dann drückt es stattdessen
die betreffende Energie auf eine abgeschwächte Form aus, z. B. auf einer
verschlüsselten Ebene. Auf dieser Ebene kann die schmerzliche Erfahrung
dann allmählich verarbeitet werden.
inneres Handeln
Bewusstsein - Entspannung - Unterbewusstsein
Begleitung / Beratung
Wenn sich jemand in Tiefenentspannung befindet, kann er mit den Informationen,
die aus dem Unterbewussten hochkommen, arbeiten, d.h. durch sein inneres Handeln
kann er die Energie, die in den Bildern steckt, auflösen. Wenn er z. B.
geschlagen wurde, dann kann er die Energie, die in den Bildern steckt, auflösen.
Wenn er z. B. geschlagen wurde, dann kann er sich innerlich wehren. Aus seinem
Gefühl „Ich bin den anderen hilflos ausgeliefert“, wird dann
ein „Ich kann gut für mich sorgen“. Aus Eltern, die nie Zeit
für ihn hatten, können in seiner Vorstellung Eltern werden, die liebevoll
für ihn sorgen. Nach einer solchen Sitzung sagte mir einmal eine Frau:
Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich mich meiner Eltern nicht mehr
schämen muss!
Dieses innere Handeln erfolgt in eigener Verantwortung. Nur die betroffene Person
selbst weiß, was für sie angemessen ist, ob sie z. B. innerlich mit
jemandem, der ihr ohne Achtung begegnet, redet, um ihn zu überzeugen, ob
sie ihn so lange ansieht, bis er ganz klein wird, oder ob sie ihn schlägt,
bis er bereit ist, sein Verhalten zu verändern. Oder ob sie vielleicht
um Hilfe ruft. Oder ob sie als Erwachsene dem inneren kleinen Kind in einer
schwierigen Situation weiterhilft. Es geht in den Sitzungen nie um das äußere
Verhalten und die Personen draußen, es geht darum, dass die eigene Vorstellung
von diesen Personen durch inneres Handeln geändert wird. Die Außenwelt
hat ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten, da sind meinem Handeln durch
die Macht der anderen klare Grenzen gesetzt. In meiner Innenwelt ist das anders,
da habe ich die Macht über alle meine Vorstellungen, da brauche ich keine
Widerstände zu akzeptieren.
Wer in einer Tiefenentspannungs-Sitzung in seine Vorstellungen hineingeht, ist
gefühlsmäßig intensiv damit verbunden. Dies kann verhindern,
dass ihm die richtigen Ideen kommen, wie er die Situation verändern kann.
Hier setzt meine Beratung von außen ein. Ich liefere Ideen, wie die eigene
Vorstellung erfolgreich beeinflusst werden kann. Als Begleitung nehme ich gefühlsmäßig
Anteil an dem Geschehen, bin immer parteiisch zugunsten der betroffenen Person.
Wer an schmerzliche Erinnerungen kommt, muss wissen, dass er darin nicht allein
gelassen wird, und dass niemand ihm sagt, dass das, was er in diesem Augenblick
empfindet, doch alles nicht so schlimm sei.
Es kann jedoch manchmal wichtig sein, ihm zu helfen, sich aus der Identifikation
mit den eigenen Vorstellungen zu lösen. Dann erinnere ich ihn, dass er
im Augenblick auf einer Matte liegt und alles, was er wahrnimmt, keine äußere
Realität ist, sondern nur seine innere Vorstellung oder eine Erinnerung
an die Vergangenheit. Dann hat er weniger Angst vor einer Konfrontation und
kann getrost ein Risiko eingehen.
Die betroffene Person orientiert sich während einer Sitzung gewohnheitsgemäß
häufig an den logischen Grenzen, die sie in der Außenwelt erfährt.
In der Innenwelt gibt es diese Logik nicht, im Gegenteil, oft ist absolut unlogisches
Verhalten das Wirkungsvollste. Als Begleitung habe ich trotz Anteilnahme eine
gewisse Distanz zu dem Geschehen, Dies und die Erfahrung aus vielen anderen
Sitzungen ermöglicht mir, Ideen zu liefern, wie eine scheinbar aussichtslose
Situation dennoch verändert werden kann.
1. Gehirnwellen
Was passiert eigentlich im Gehirn während einer Tiefenentspannungs-Sitzung?
Es ist bekannt, dass die Frequenz unserer Gehirnwellen abhängig ist von
den Vorgängen im Gehirn.
Gehirnwellen
Beta 14 - 38 Hertz bewusstes Denken/Handeln
Alpha 8 -14 Hertz Entspannung
Theta 4 - 8 Hertz Unbewusstes
Delta 0,5 - 4 Hertz kollektives Unbewusstes
Beta-Wellen sind während unseres Wachbewusstseins der „Normalzustand“.
Sie verlaufen parallel zu unserem bewussten Denken und Handeln. Wenn wir uns
bewusst entspannen, so entstehen zusätzlich Alpha-Wellen.
Gelangen Informationen aus dem Unbewussten in das Bewusstsein, so kommen Theta-Wellen
hinzu, bei Informationen aus dem Kollektiven Unbewussten treten Delta-Wellen
auf.
Die Informationen aus dem Unbewussten bzw. dem kollektiven Unbewussten können
vom Bewusstsein nur dann aufgenommen werden, wenn auch die Alpha-Wellen aktiv
sind, d.h. in einem Zustand der Entspannung. Bei Menschen, die z. B. unter einem
Trauma leiden, können wir beobachten, dass in ihrem Gehirn Alpha- und Theta-Wellen
nicht gleichzeitig auftreten.
Wenn sie anfangen, sich zu entspannen, bilden sich bei ihnen wie bei anderen Alpha-Wellen, sobald jedoch Informationen aus dem Unbewussten hochkommen, d. h. Theta-Wellen entstehen, verschwinden die Alpha-Wellen und eine Erinnerung an das vergessene schmerzliche Ereignis wird so verhindert. Es ist ein wirkungsvoller Schutz vor einer Schmerzüberflutung. Dieser Schmerz und die Angst davor kann und sollte nur in kleinen Schritten auf sanfte Weise abgebaut werden.
2. Psychosomatisches Netzwerk
Früher ging die Medizin davon aus, dass das Gehirn für unser Denken
und unser Gedächtnis sowie unser aktives Handeln zuständig ist. Allmählich
fand man dann heraus, dass auch unsere Gefühle vom Gehirn gesteuert werden.
Das endokrine System, unsere Drüsen und Hormone, sorgen dagegen für
den reibungslosen Ablauf unserer körperlichen Funktionen.
Das Immunsystem aus Milz, Knochenmark und Lymphknoten galt dagegen als zuständig
für die Abwehr von fremden Bedrohungen.
Diese drei Systeme hielt man früher für relativ unabhängig voneinander.
Heute wissen wir, dass sie eng miteinander verbunden sind und die gleichen Peptide
in allen drei Systemen erzeugt und als Botenstoffe empfangen werden, d.h. dass
wir es in Wirklichkeit mit einem einzigen System mit drei Untersystemen zu tun
haben.
Gehirn
Denken / Fühlen / Gedächtnis
Peptide -Peptide
Endokrines System: Drüsen / Hormone - Peptide
- Immunsystem: Milz / Knochenmark / Lymphknoten
Eigentlich hätten wir das schon längst wissen müssen. Was passiert
denn bei Autogenem Training? Ich stelle mir vor, dass meine Hand warm wird und
sie wird warm. D.h. H. durch Aktivitäten meines Gehirns wurde das Endokrine
System beeinflusst.
Es ist auch kein Geheimnis, dass Menschen, die sich positive Vorstellung zu
ihrem Heilungsprozess machen, schneller voran schreiten. In anderen Kulturen
ist dieses Wissen noch erhalten geblieben. In einem afrikanischen Dorf wurde
mir z. B. von einer traditionellen Praxis berichtet: Hatte sich jemand einen
Fuß gebrochen, so wurde einem Huhn ebenfalls der Fuß gebrochen und
geschient. Die Heilung eines Knochenbruches verläuft bei einem Huhn deutlich
schneller als bei einem Menschen. Dadurch, dass der Kranke das rasche Fortschreiten
der Heilung bei dem Huhn ständig beobachten konnte und davon motiviert
wurde, beschleunigt sich auch sein eigener Heilungsprozess.
Durch unsere Vorstellungen können wir jeden Heilungsprozess positiv beeinflussen.
Bei allen Krankheiten, in denen auch Spontanheilungen auftreten, ist davon auszugehen,
dass wir die Chance haben, diese durch die Veränderung unserer inneren
Bilder bewusst herbei zu führen, auch und gerade dort, wo die Schulmedizin
keine Hilfe mehr anbietet. Wo die Grenze der Wirksamkeit ist, kann nur im Einzelfall
herausgefunden werden. Ein amputiertes Bein wird trotz aller Vorstellungen nicht
nachwachsen und der Tod ist uns allen gewiss. Aber Fehlfunktionen des Endokrinen
Systems und des Immunsystems, die die Folge von Lernprozessen sind, können
auf diese Weise verlernt werden, so dass die ursprüngliche, gesunde Funktionsweise
wieder zurückkehrt.
3. Die Opfer-Täter-Falle
Viele Menschen fühlen sich als Opfer ihrer Mitmenschen. Sie sind überzeugt,
dass es denjenigen gut geht, die sich besser zu wehren verstehen. Und so mancher,
der viel ertragen hat, beschließt eines Tages, das nie wieder mit sich
machen zu lassen und wird selbst zum Täter.
Unser Selbstverständnis als Täter oder Opfer ist in Wirklichkeit eine
Falle :
SchmerzerfahrungAngst, diese Erfahrung wieder zu machen
Wertung : Nie wieder tun, was diesen Schmerz erzeugt
Opferrolle, z.B. immer schweigen, alles hinnehmen
neue (andere) schmerzliche Erfahrungen
Wertung : Das lasse ich nie wieder mit mir machen!
Täterrolle, z. B. immer reden, sofort
zuschlagen
Angst, in die Opferrolle zurück zu fallen, Verurteilung
Am Anfang steht immer eine schmerzliche Erfahrung. Und die Angst davor, diese
Erfahrung wieder zu machen. Die erste natürliche Reaktion ist die, das,
was diese schmerzliche Erfahrung ausgelöst hat, nicht mehr zu tun. Das
ist normal. In die Falle gehen wir erst in dem Augenblick, in dem wir beschließen,
dies nie wieder zu tun. Denn erst in diesem Augenblick gehen wir in die Opferrolle:
wir schweigen z. B. immer, wenn wir angeschrieen werden, wir nehmen es immer
hin, wenn wir von den Eltern geschlagen werden. Die ursprüngliche schmerzliche
Erfahrung können wir damit zwar verhindern, aber wir sorgen so unbewusst
für neue Situationen, die nicht weniger schmerzlich sind, denn wir haben
die Freiheit aufgegeben, Grenzen zu setzen und von anderen einen achtsamen Umgang
mit uns zu fordern. Opfer jammern und verurteilen, aber Opfer weichen immer
dem Konflikt aus. Bis sie es irgendwann satt haben, immer nur das Opfer zu sein.
Dann drehen sie den Spieß herum: Sie beschließen: „Das lasse
ich nie wieder mit mir machen.“ Und so wechseln sie von der Opfer- in
die Täterrolle. Jetzt schweigen sie nicht mehr hilflos, sondern reden den
anderen in Grund und Boden. Jetzt warten sie nicht mehr, ob der andere sie schlägt,
sondern schlagen zuerst zu. Allen Tätern sitzt immer die Angst im Nacken,
dass sie irgendwann wieder in die Opferrolle zurückfallen könnten.
Täter sind nie frei, sondern immer wie ein gehetztes Wild. Um ihre wahre
Angst nicht zu zeigen, müssen sie ein ausgeprägtes Droh- und Imponiergehabe
entwickeln. Daran kann man Täter sofort erkennen. Außerdem haben
alle Täter ein schlechtes Gewissen. Aber das dürfen sie natürlich
auch nicht zeigen. Jeder Täter war irgendwann einmal das Opfer und hat
sein heutiges Täter-Verhalten seinerzeit als Opfer selbst verurteilt. Und
diese Verurteilung sitzt noch tief in ihm im Verborgenen. Nie würde er
es zugeben, ja, es muss ihm nicht einmal bewusst sein. Aber wir können
es daran erkennen, wie sehr er sich immer wieder rechtfertigen muss. Der Täter
sitzt in der gleichen Falle wie das Opfer, nur hat sie ein umgekehrtes Vorzeichen.
Frei und mit sich selbst in Frieden ist keiner von den beiden.
Was also können wir tun, um aus dieser Falle raus zu kommen? Gar nichts,
denn so lange wir unsere Sicht der Dinge nicht verändern, kommen wir aus
der Falle nicht heraus. Es geht nicht um ein anderes Verhalten, das uns helfen
könnte, sondern um eine andere Haltung, die wir einnehmen können.
Wir können aus unseren Verurteilungen aussteigen, aus unseren Absolutheitsansprüchen.
Dies wird uns zu neuen Einsichten und Erkenntnissen führen und uns unsere
Freiheit wieder zurückgeben.
Dann werden wir es manchmal hinnehmen, dass uns jemand Schmerzen zufügt
und manchmal werden auch wir es sein, die anderen schmerzliche Erfahrungen bereiten,
und wir können beides akzeptieren und annehmen. Es bleibt jedoch die Herausforderung,
Lösungen zu finden, die für uns ebenso angenehm sind wie für
den anderen, das Leben für uns und andere nicht leid- sondern lustvoll
zu gestalten.
D. Prinzipien der Chaostheorie
Wenn wir unbewusst funktionieren, befinden sich die unbewussten Strukturen in
unserem Gehirn in einem Zustand relativer Stabilität.
Stabilität 
Wenn wir uns bemühen, etwas an unserem unbewussten Verhalten zu verändern,
dann kann uns das zwar manchmal für kurze Zeit gelingen, aber dann fallen
wir immer wieder in das alte Muster zurück. Unser Gehirn ist eine komplexe
Struktur, die eine eigene Ordnung hat. Wir können ein gelerntes Verhalten
nicht einfach zur Seite stellen wie eine leere Tasse, die wir nicht mehr brauchen.
Muster in solchen komplexen Systemen können nur in einem Zustand der Instabilität
verändert werden:

Diese Instabilität besteht immer nur vorübergehend, denn jede kleine
Bewegung führt über zu einem neuen Zustand relativer Stabilität.
Wenn ich eine Kugel, wie hier gezeigt, also von einem Tal zu einem anderen bringen
will, dann muss ich erst Energie aufbringen, um sie auf den nächsten Gipfelpunkt
zu befördern, von dort bewegt sie sich dann von selbst zum nächsten
Tal.
In einer Tiefenentspannungs-Sitzung findet genau das gleiche statt: Im ersten
Schritt werden die vorhandenen Vorstellungen im Unbewussten, mit denen ich im
Augenblick gerade in Kontakt bin, vom Bewusstsein her destabilisiert, durch
Ansprechen oder innere Handlungen: „So will ich das nicht!“ Hier
ist das ganze Engagement gefordert. Die neue Ordnung entsteht dann von selbst.
Ich will das an einem kleinen Beispiel verdeutlichen:
Elke (Name geändert) leidet sehr darunter, dass sie von ihrer inzwischen 80-jährigen Mutter immer verurteilt wurde und nie eine liebevolle Mutter-Tochter Beziehung entstand. In der Sitzung erlebt sie wieder einmal, wie ihre Mutter abschätzig mit ihr redet. Sie verlangt von ihr, sie solle sie endlich mit Achtung behandeln und ihr liebevoll begegnen, wie das andere Mütter mit ihren Töchtern auch tun. Die Mutter weigert sich. Alles reden hilft nicht. Schließlich prügelt sie sie so lange, bis die Mutter in ihrer Vorstellung flehentlich auf dem Boden liegt und schließlich bereit ist, sie zu unterstützen. Sie weiß jedoch nicht, wie sie das tun soll, weil sie selbst nie Liebe bekommen hatte. In Elkes Vorstellung bekommt sie diese dann von der Großmutter und Elkes Mutter nimmt Elke schließlich liebevoll in den Arm. Elke bekommt plötzlich ein tiefes Verständnis dafür, dass ihre Mutter sie schon immer liebte und nur nicht wusste, wie sie diese Liebe zum Ausdruck bringen sollte, bzw. Angst davor hatte. Nach der Sitzung sagt Elke: „Ach, jetzt habe ich richtig Lust, für meine Mutter zu sorgen.“
III. Beispiele für Selbstheilung
A. Gelenkschmerzen
Ich möchte mit einer eigenen Erfahrung anfangen:
Als kleines Kind war ich sehr lebhaft und eigenwillig. Eben richtig lebendig.
Das entsprach aber nicht den Vorstellungen meiner Eltern. Diese wollten ein
liebes Mädchen. Sie waren auch der Überzeugung, dass nur ein Mädchen,
das sich zu fügen versteht, im Leben zurechtkommt. Also versuchten sie
den Eigenwillen dieses kleinen Kindes zu brechen. Unter anderem hielten sie
dem kleinen Mädchen mit beiden Händen die Arme am Körper fest,
so dass es nicht mehr um sich schlagen konnte. Was passiert im Körper,
wenn wir um uns schlagen wollen? Der Körper verstärkt die Durchblutung
in unseren Armen, damit wir die entsprechenden Muskelbewegungen ausführen
können. Das ist ganz logisch. Aber dann habe ich als kleines Mädchen
Angst bekommen, und zwar Angst, die Liebe meiner Eltern zu verlieren, wenn ich
weiterhin um mich zu schlagen versuche. Ich beschloss und sagte mir: „Ich
darf mich nicht bewegen!“ Und mein Körper folgte diesen Anweisungen,
der schickte bei diesem Befehl kein Blut mehr in die Arme.
Da ich von mir aus nicht mehr um mich schlug, wurde ich auch nicht mehr festgehalten,
bekam keine Angst mehr und es gab auch kein „Ich darf mich nicht bewegen“
mehr in mir. Ich funktionierte äußerlich, d.h. aus der Sicht meiner
Eltern „normal“. Und auch mein Körper funktionierte einwandfrei.
Ich vergaß alles.
Vor ein paar Jahren fing ich an, einmal wöchentlich Wassergymnastik zu
machen. Ich hatte viel Freude daran. Es tat meinem Körper gut. Darum beschloss
ich, auch noch an einer zweiten Gruppe in einem anderen Schwimmbad teilzunehmen.
In diesem Becken gab es häufig wenig Platz. In mir kam unbewusst das alte
Kommando wieder hoch: „Ich darf mich nicht bewegen!“ Ich fing an,
bei der Wassergymnastik zu frieren und in der darauffolgenden Nacht und am nächsten
Tag hatte ich Schmerzen in den Schultergelenken. So hatte ich mir das nicht
gedacht. Nach einem halben Jahr gab ich die zweite Gymnastik wieder auf. Doch
es hatte bereits eine Verallgemeinerung stattgefunden. Inzwischen traten die
Schmerzen auch nach der Gymnastik in dem Becken auf, in dem es genug Bewegungsspielraum
gab. Ich half mir damit, dass ich statt des normalen Badeanzugs einen Body mit
kurzen Armen trug. Dies schützte mich hinreichend vor Schmerzen.
Die Sache mit dem Festgehalten-Werden als Kind hatte ich allerdings längst
vergesse. Ich erinnerte mich daran schon lange nicht mehr. Ich hatte keine Ahnung,
dass meine Schmerzen in den Schultergelenken damit zusammenhingen. Aber in einer
Tiefenentspannungs-Sitzung kam plötzlich die Erinnerung wieder hoch. Ich
schlug mich innerlich frei. Und natürlich fühlte ich mich danach gut,
ohne dass ich mir über die körperlichen Auswirkungen Gedanken machte.
Dann funktionierte eines Tages im Schwimmbecken die Heizung nicht richtig und
es war recht kalt. Ich erwartete, danach wieder Schmerzen zu haben, doch als
sie ausblieben, erinnerte ich mich an die Arbeit in der Tiefenentspannungs-Sitzung.
Also probierte ich aus, wieder einen normalen Badeanzug zu tragen, und siehe
da: Keine Schmerzen. Das alte Programm „Keine Durchblutung für die
Arme“ war aufgelöst. Ich kann die Wassergymnastik wieder ohne Angst
vor unnötigen Schmerzen in den Schultergelenken genießen.
B. Ärger mit dem Nachbar
Dieses Beispiel stammt aus einer Sitzung mit einer Frau, ich will sie Jutta
nennen. Jutta kam zu mir, weil sie große Probleme mit ihrem Nachbar hatte.
Sie fühle sich ihm vollständig ausgeliefert. Er war ein sehr unangenehmer
Mensch. Für den Rest der Familie war die Beziehung zum Nachbarn ebenfalls
problematisch, aber für Jutta war sie eine Katastrophe. Sie überlegte
sogar schon, ob es nicht besser sei, das Haus zu verkaufen und weg zu ziehen.
Im Vorgespräch frage ich Jutta, wo sie denn schon früher so ein Gefühl
des Ausgeliefert-Seins erfahren hatte. Nein, in ihrer Familie hätte sie
so etwas nicht erfahren, dann aber kam eine Erinnerung. Sie war vielleicht 12.
Sie hatte sich in einen etwas älteren Trainer verliebt. Es kam gegen ihren
Willen zu sexuellen Grenzüberschreitungen. Jutta brach in Tränen aus.
In der Sitzung kam sie von selbst nach einiger Zeit in diese Situation zurück.
Es fiel ihr nicht leicht, sich innerlich gegen ihn zu wehren, es war älter
und größer und sie war ja auch verliebt in ihn. Aber sie fühlte
sich noch zu jung und war noch nicht bereit, so weit zu gehen wie er. Sie erklärte
dem Mann die Situation, wehre ihn innerlich ab, aber er zeigte keine Einsicht.
Schließlich machte sie ihn mit dem Blick ihrer Augen so lange immer kleiner,
bis er bereit war, ihren Willen zu achten und ihrem Verlangen zu folgen. Als
sie dann innerlich zu der Situation mit dem Nachbarn zurückkehrte, war
diese längst kein Problem mehr. Auch den Nachbarn reduzierte sie mit ihrem
Blick. Sein Körper verschwand, er hatte nur noch einen Kopf. Sie erkannte,
wie verkrüppelt er innerlich war. Im Nachgespräch kamen ihr dann auch
einige Ideen, wie sie im Garten auf einfache Weise dafür sorgen konnte,
den Blickkontakt zu reduzieren. In nur einer Sitzung war aus einem überwältigenden
Problem eine handhabbare Herausforderung geworden.
C. Unsicherheit
Edith (Name geändert) machte bei mir eine ganze Serie von Sitzungen. Sie
wuchs in einem recht lieblosen Elternhaus auf und hatte sich ganz in die intellektuelle
Sphäre zurückgezogen, um diese Kälte überleben zu können.
In der Sitzung, die ich hier beschreiben möchte, ging es darum, dass sie
sich in einem Seminar sehr unsicher fühlt. Nach einer Berufsunfähigkeit
hatte sie noch einmal begonnen zu studieren, aber die rechte Freude wollte nicht
aufkommen. In dem besagten Seminar hatte in der letzten Woche der Seminarleiter
wieder einmal – das war so seine Art – sich eine Studentin heraus
gepickt, um sie mit einer überraschenden Frage zu bombardieren. Vor dieser
Art der Überrumpelung und Bloßstellung fürchtete sich Edith.
Sie zog sich im Seminar immer ganz nach hinten zurück, damit sie sicher
sein konnte, je nicht das Opfer dieses hinterhältigen Seminarleiters zu
werden.
In der Sitzung geht sie innerlich in die Seminarsituation. Sie kommt, wie häufig,
zu spät zum Seminar und setzt sich gekrümmt auf einen Heizkörper,
weil der Raum überfüllt ist. Sie fühlt sich klein und nicht dazugehörig.
In ihrem Bauch zieht sich alles zusammen. An diesem Gefühl arbeiten wir
in der Sitzung. Edith sieht innerlich meistens nur abstrakte Formen und Farben.
So auch in dieser Sitzung. Sie spricht diese Farbe und Formen an und sagt ihnen,
welche Gefühle sie bei ihr auslösen. Es geht dabei um Bedrohlichkeit
und Angst. Diese werden nach und nach abgebaut. Zum Ende der Sitzung kehrt Edith
innerlich noch einmal in die Ausgangssituation im Seminarraum zurück: Sie
erlebt jetzt die Situation viel entspannter, alles wirkt heller, das unangenehme
Gefühl im Bauch ist verschwunden.
Im Nachgespräch erörtern wir noch einmal, warum dieser Seminarleiter
gezielt Studentinnen und Studenten in Hilflosigkeit stößt und wie
sehr er damit die Hilflosigkeit zum Ausdruck bringt, die er selbst früher
erfahren haben muss. Durch sein Verhalten legt er seine eigene Schwächt
bloß, das kann nun auch Edith klar spüren und erkennen.
Bereits eine Woche später berichtet mir Edith, dass sie sich im letzten
Seminar nicht mehr an den Rand, sondern genau zwischen die Leute gesetzt hat,
dass sie sich dreimal mündlich beteiligt hat, einmal davon mit einem ausführlichen
Beitrag. Sie meinte nur noch: „Der soll mir nur mit solcher einer Überrumpelungstaktik
kommen. Damit kann er mir keine Angst mehr machen.
IV. Nachgedanken
Was ist eigentlich das Wesentliche bei „Selbstheilung in Tiefenentspannung“?
Für mich ist es die Tatsache, dass jede Person, die sich in diesen Prozess
begibt, die Verantwortung für sich selbst voll übernimmt. Oder anders
ausgedrückt: Für alle, die nicht länger ihren Eltern, den Umstände,
dem Schicksal oder dem lieben Gott die Schuld für ihre Probleme in die
Schuhe schieben wollen, ist dieser Weg ideal. Für alle, die ihre Freiheit
lieben, die ihren Weg selbst bestimmen wollen, ist dieser Prozess ein Geschenk.
Schritt für Schritt erobern sie sich verschenktes Terrain zurück.
Und jedes mal ist das Ergebnis ein Zustand tiefen inneren Friedens. Die Harmonie
des Lebens wird aus einer Theorie zu einer Erfahrung. Selbst dort, wo wir schmerzliche
Zustände in der Außenwelt nicht verändern können, sind
wir mit ihnen versöhnt. Dies schenkt uns die Lebensqualität, nach
der wir uns alle sehen.