Inge Kok
Bahnhofstraße 10a, 25469 Halstenbek
Tel. 04101/42387, Fax. 04101/857998
E-Mail: ingekok@praemedia.de
Halstenbek, 4. März 2004
Herrn Jean-Pascal R a t h
Bezirksregierung Braunschweig
Bohlweg 38
38100 Braunschweig
Sehr geehrter Herr R a t h !
Sie beschäftigen sich mit der Frage nach der Qualifikation der Synergetik-Therapeuten.
Vor ca. _ Jahr stellte ich mir die selbe Frage, als Patientin. Meine Antwort
fiel so positiv aus, daß ich mich mit meinen nunmehr 65 Lebensjahren entschlossen
habe, diese Ausbildung noch selbst zu absolvieren. Davon möchte ich Ihnen
ein wenig berichten, um damit vielleicht einen kleinen Beitrag zu leisten zu
einer Beurteilung, die dieser Sache gerecht wird.
Ich erfuhr von der Synergetiktherapie , nachdem ich vor zwei Jahren an Brustkrebs
erkrankt war. Die Angst vor weiteren Erkrankungen überschattete mein Leben.
Deshalb ließ ich mich auf einen Versuch ein, nachdem ich mich vorher sehr
sorgfältig über diese Therapie informiert hatte. Schließlich
konnte ich mittlerweile neben manchen guten, auch auf einige geradezu abenteuerliche
Erfahrungen mit so genannten Heilmethoden zurückblicken.
Meine Überraschung war groß. Bei diesen Therapeuten fand ich beinahe
alles wieder, was ich aus dem riesengroßen Angebot an an sogenannten Heilmethoden
im Laufe eines langen Lebens selbst als sinnvoll und heilsam erfahren hatte.
Dazu auch Neues, das Ganze zusammengefügt in einem Konzept, bei dem mir
persönlich das Attribut “genial” nicht zu hoch gegriffen erscheint.
Nur eins war ganz anders als alles, was ich bisher kannte. Und gerade dieses
Andere traf irgendwo ganz tief in mir ein Echo: Niemand kann mich wirklich heilen,
nur ich selbst! Das erfahre ich nun immer wieder ganz konkret: Leiste ich in
einer Sitzung Widerstand - und leider tue ich das oft! - geht der Prozess nicht
weiter. Kein Synergetik-Therapeut - kann (oder will!) das auflösen. Das
kann nur ich selbst. So einfach ist das - und so schwer. Ich kann also das Argument
von Herrn Joschko, daß hier keine Heilung im üblichen Sinne, sondern
wirklich “nur” eine Anleitung zur Selbstheilung stattfindet, als
Patientin mit voller Überzeugung unterstützen.
Ein weiteres Argument für die Ungefährlichkeit dieser Methode möchte
ich anführen: Ich arbeite seit 25 Jahren als ehrenamtliche Gesprächstherapeutin
am Beratungs- und Seelsorgezentrum St. Petri, im Centrum von Hamburg. Meine
ca. 100 Kollegen und ich haben alle eine hauseigene Ausbildung in Partnerzentrierter
Gesprächsführung nach Carl Rogers, einem der führenden humanistischen
Psychologen. Auch wir legen keine staatliche Prüfung ab und arbeiten seit
über 30 Jahren anerkannt und erfolgreich mit unseren Klienten und darüber
hinaus zusammen mit Ärzten, Behörden und den verschiedensten Institutionen.
Und eine zweite wichtige Parallele gibt es zwischen dieser Gesprächstherapie
und der Synergetik: In Hamburg verstehen wir uns ausschließlich als Begleiter
unserer Klienten, sie selbst entscheiden, wie weit sie sich auf sich selbst
einlassen wollen bzw. können. Und genau diese Einstellung zu dem Klienten,
ihn bei seiner Selbsterfahrung wirklich! nur zu begleiten, findet sich bei Herrn
Joschko wieder, liegt seinem Konzept zu Grunde. Also könnte die eingangs
gestellte Frage nach der Qualifikation der Synergetik-Therapeuten doch eigentlich
auch ganz schlicht lauten:
Kann eine einfühlsame, verständnisvolle und sehr kreative
Begleitung für Menschen, die auf der Suche sind, gefährlich sein?
Meine ganz persönliche Antwort lautet: die Synergetik-Therapie kann gar
keine Gefahr sein für die Menschheit, aber es kann sehr gut sein, daß
sie ihr zum Segen gereichen wird.
In der Hoffnung, daß meine Argumente für Sie vernünftig klingen,
sehr geehrter Herr Rath, verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen